Todesstrafe in den USA

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Gnadengesuch abgelehnt
Troy Davis mit Giftspritze hingerichtet
Alle Proteste, alle Empörung weltweit halfen nichts: In der Nacht ist der als Mörder verurteilte Troy Davis im US-Bundesstaat Georgia durch eine Giftspritze hingerichtet worden. Der Oberste Gerichtshof hatte einen Aufschub der umstrittenen Hinrichtung abgelehnt.

Von Sabrina Fritz, SWR-Hörfunkstudio Washington

Es war eine dramatische Nacht in Georgia. Über Stunden hatte sich der Justizkrimi hingezogen, der über das Schicksal von Troy Davis entschieden hat. Um fünf Uhr morgens deutscher Zeit wurde Davis dann mit der Giftspritze getötet. Eine Journalistin, die dabei sein konnte, beschreibt seine letzten Worte:

 
Vertreter der Baptistenkirche und von Amnesty International kämpften bis zuletzt gegen die Hinrichtung von Troy Davis.
"Der Unfall in der Nacht war nicht mein Fehler, ich hatte keine Waffe." Seine Freunde forderte er auf, weiter nach der Wahrheit zu suchen. Und an die Familie des getöteten Polizisten gerichtet, sagte er: "Ich habe euren Vater und Sohn nicht getötet - ich bin unschuldig".

Proteste bis zuletzt

Die beiden Söhne des ermordeten Polizisten waren bei der Hinrichtung dabei. Die Familie ist fest davon überzeugt, dass Troy Davis der Mörder ist. Die Mutter des ermordeten Polizisten, Anneliese MacPhail, hatte sich immer wieder für eine Hinrichtung ausgesprochen. In der Nacht erklärte sie im amerikanischen Fernsehsender CNN:

"Ich will, dass dieses Kapitel endlich geschlossen wird - ich kenne die Beweise, ich war bei allen Verhandlungen dabei. Er ist schuldig."

Mit dem Tod des 42-jährigen Afro-Amerikaners endet einer der umstrittensten amerikanischen Mordfälle. Troy Davis soll den jungen Polizisten Mark Macphail erschossen haben, als dieser einem Obdachlosen helfen wollte.


Verurteilter Troy Davis trotz weltweiter Gnadenappelle in den USA hingerichtet, tagesschau 20:00 Uhr [Udo Lielischkies, ARD Washington]


Aufschub in letzter Minute

20 Jahre saß Troy Davis im Gefängnis. Drei Mal wurde seine Hinrichtung verschoben, gestern Abend noch einmal um wenige Stunden. Der Oberste Gerichtshof in den USA beriet über einen Antrag der Anwälte, die Todesstrafe doch noch auszusetzen.  Vier Stunden brauchten die neun Mitglieder für ihre Entscheidung - dann stand fest: Troy Davis muss sterben. Das Gefängnis im Bundesstaat Georgia war im Laufe der Nacht von schwer bewaffneten Polizisten und Sicherheitsfahrzeugen umstellt worden.

Hunderte von Unterstützern von Troy Davis hatten sich vor dem Gefängnis versammelt. Sie hielten Plakate hoch mit "Wir sind Troy Davis" oder "Zur Hölle Todesstrafe". Sie riefen seinen Namen, sie sangen und beteten. Als die Nachricht kam, dass  Davis hingerichtet wird, wurde es ganz still, einige weinten.

Empörung weltweit

Die Todesstrafe für Troy Davis hat in der ganzen Welt Empörung ausgelöst. Das Europaparlament bat die Amerikaner um Gnade. Der Papst und Politiker in aller Welt hatten gegen die Hinrichtung protestiert. Der Fall ist deshalb so populär, weil  er so viele Frage offen lässt. Sieben von neun Zeugen haben ihre Aussagen inzwischen widerrufen, es gibt keine Tatwaffe und keine Fingerabdrücke. Auf der anderen Seite haben unterschiedliche Gerichte in den USA das Urteil bestätigt, dass Troy  Davis der Mörder des jungen Polizisten Mark MacPhail ist.

Troy Davis ist nicht der Einzige, der in dieser Nacht hingerichtet wurde. In Texas starb der 44-jährige Lawrence Brewer durch die Giftspritze. Er hatte einen schwarzen behinderten Mann an sein Auto gekettet und zu Tode geschleift.

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